Korean Food Stories

Manchmal knurrt der Magen zur rechten Zeit. Heute Abend in der Prenzlauer Allee zum Beispiel: In der frühen (äußerst) naßkalten Dunkelheit fahre ich an einem beleuchteten Ladenfenster vorbei. „Korean Food Stories“ steht auf der Scheibe. Mein Magen hüpft vor Freude und ich vom Rad. Wir sind ein eingespieltes Team mein Magen und ich. Er weiß einfach was gut für mich ist, deswegen kann mich das Tagesangebot auch nicht schrecken: Koreanische Algensuppe. Ich schaue neugierig durchs Fenster und bin entzückt: Wenn das Essen so gut ist, wie der Laden eingerichtet, dann gibt es einen neuen Gastro-Volltreffer in Prenzlauerberg:

Ich bestellte eine kleine Portion Algensuppe mit Sesam und Rinderfilet und ein Bibimbap mit Tofu, dazu einen Tee, denn ich friere. Wieso bin ich eigentlich mit dem Fahrrad gefahren? Egal. Kurze Zeit später steht die Suppe auf dem Tisch. Sehr delikat, tolles Aroma von Sesam und sehr gutes Rindfleisch. Davon hätte ich locker auch die große Schale geschafft, allerdings kommt ja noch das Bibimbap. Ich trinke vernünftig meinen Tee. Während in der Küche das Bibimbap zischt, schaue ich mich um: Im Regal an der Wand gegenüber steht das Foto eines lächelnden Paares (versehen mit einer netten Widmung „in honor of you“). Vielleicht die Eltern der netten Frau hinter dem Tresen? Ob die mit ihrer Tochter auch regelmäßig und gut gekocht haben?

Da kommt das Essen. Großartig. Ich entdecke auf dem Tisch eine rote scharfe Sauce und quetsche einen ordentlichen Klecks davon in die Schüssel. Schön sieht das aus – und dieser Duft: Sensationell. Ein kurze kulinarische Andacht, dann muss ich dieses Kunstwerk leider zerstören. Wirklich, die Instruktionen stehen auf einem kleinen Aufsteller auf dem Tisch. Ich halte mich dran: Erst einmal mit dem Löffel durch das Ei, damit sich das Eigelb verteilt. Und dann macht man bitte das, was dem Gericht den Namen gibt: Man vermischt alles, immer schön von oben nach unten mit dem nötigen Schwung – mindestens 30 Sekunden. Wenn dann alles durcheinander ist, Löffel rein (Vorsicht heiß) und probieren.

Toll. Ich bin begeistert und esse. Ich mag diesen Laden, denke ich, und ich mag diese Frau, die ich gar nicht kenne und ihre Eltern, die mir vom Foto aus nett zulächeln, als wollten sie fragen: Schmeckt es Dir? Lustig man fühlt sich als sitzt man bei denen zuhause. Irgendwann kommt die nette Frau an meinen Tisch. Ich erfahre, dass diese Algensuppe in Korea traditionellerweise für Frauen gekocht wird, die gerade ein Kind geboren haben. Vier Wochen lang wird sie gegessen, um die Mutter zu stärken (ich bin mir sicher, das Wort für postnatale Erschöpfung existiert nicht in Korea). Ich erinnere mich kurz an das erste Essen, das ich im Krankenhaus bekam: Ich hatte mir von einer mürrischen Schwester eine Zwischenmahlzeit erbettelt (Steppke wurde unglücklicherweise 15 Minuten nach der regulären Essensausgabe von mir geboren – ich wurde nicht gebrieft vom leitenden Oberarzt, sonst hätte ich mich selbstverständlich beeilt). Die mürrische Schwester kam nach einer gefühlten Ewigkeit mit einer Schale ans Bett: Mein Magen und ich tippten auf Suppe. Wir lagen falsch: Es war gelblich, recht süß und hatte einen Hauch von Puddingkonsitenz. Hätte ich damals diese Suppe bekommen, ich wäre aufgestanden und mit dem Kind auf dem Arm sofort nach Hause gejoggt (vor allem nach dem ich weiß was ich alles essen musste bis ich wieder nach Hause durfte). Doch zurück ins hier und jetzt: Die nette Frau hinterm Tresen heißt Helen, erfahre ich noch, und diese Suppe, kocht man in Korea auch an Geburtstagen, um das Kind an den besonderen Moment seiner Geburt zu erinnern. Ich heule gleich, wie schön ist das denn. Ich müsste meinem Nachwuchs trüben Pudding kochen an seinem Geburtstag!!! Unfassbar. Ich bleibe hängen in dem schönen Laden. Ich probiere noch den hausgemachten Apfel-Ingwer-Cider und unterhalte mich weiter mit Helen. Ich komme wieder, denn sie erzählt mir, dass es noch ganz viele Gerichte mit Geschichten geben wird in dem kleinen Laden. Vielleicht macht sie ja mal diese koreanischen Pfannkuchen? Noch so ne Sensation. Auf dem Heimweg friere ich überhaupt nicht, sondern denke an eine Studienfreundin, die ich leider total aus den Augen verloren habe. Gutes Essen bringt gute Erinnerungen. Bei meiner Freundin habe ich übrigens zum ersten Mal in meinem Leben koreanischen Ginsengtee getrunken. Den hatte sie stapelweise im Küchenschrank, weil ihr Vater Geschäftsfreunde in Korea hatte, die sehr großzügig waren, wenn er sie besuchte. Der Vater hatte auch Geschäftsfreunde im Iran (ja in den Neunzigern ging das), deswegen gab es zu meiner großen Freude auch stapelweise iranischen Kaviar im studentischen Küchenschrank. Nach wilden Partynächten hauten wir uns den Kaviar schon mal 2 Finger dick aufs Hüttenkäsebrot, morgens um 5 Uhr. German Food Stories.

Korean Food Stories, Prenzlauer Allee 217, 10405 Berlin

2 Gedanken zu “Korean Food Stories

    • I thank you for the delicious food. I’ll be back for a Chat and lunch soon. And last but not least thank you for sharing the post at your website and on facebook

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